„Welche Nebenwirkungen hat Botox?“ – kaum eine Frage höre ich im Vorgespräch häufiger. Und das ist gut so: Wer sich für eine Behandlung mit Botulinumtoxin interessiert, sollte genau wissen, worauf er sich einlässt. In diesem Artikel erkläre ich, welche Nebenwirkungen in klinischen Studien beobachtet wurden und wie häufig sie sind. Grundlage ist die offizielle Fachinformation eines in der EU zugelassenen Botulinumtoxin-Präparats für Zornesfalten und Krähenfüße.
Das Präparat wurde in klinischen Studien an rund 3.800 Patienten untersucht. Nach der ersten Behandlung von Glabellafalten (Zornesfalten) traten bei 22,3 % der Behandelten Nebenwirkungen auf – in der Placebo-Gruppe, die eine wirkstofffreie Injektion erhielt, bei 16,6 %. Bei der Behandlung von Krähenfüßen lagen die Werte bei 6,2 % gegenüber 2,9 % unter Placebo.
Nebenwirkungen können laut Fachinformation mit dem Wirkstoff, mit dem Injektionsverfahren oder mit beidem zusammenhängen. Die meisten waren leicht bis mäßig ausgeprägt und reversibel, traten im Allgemeinen in der ersten Woche nach der Injektion auf und waren vorübergehend. Bei Wiederholungsbehandlungen wurden sie seltener.
Rötung, Schwellung, Reizung, Juckreiz, Kribbeln, Schmerz, ein Stechen oder ein Bluterguss an der Einstichstelle sind bei der Behandlung der Zornesfalte sehr häufig (mehr als 1 von 10 Behandelten), bei Krähenfüßen häufig (1 bis 10 von 100).
Kopfschmerzen sind bei der Behandlung der Zornesfalte sehr häufig, bei Krähenfüßen häufig.
Die Nebenwirkung, vor der sich viele fürchten: Wenn der Wirkstoff den Muskel erreicht, der das Oberlid anhebt, kann das Lid vorübergehend tiefer stehen (Ptosis). Die Fachinformation stuft dies für beide Behandlungsbereiche als häufig ein (1 bis 10 von 100 Behandelten). Sie verlangt deshalb, dass vor der Behandlung die Anatomie des Gesichts genau beurteilt wird, dass vorhandene Asymmetrien berücksichtigt werden und dass die empfohlene Dosierung nicht überschritten wird.
Bei der Zornesfalte sind ein geschwollenes Augenlid, trockene oder vermehrt tränende Augen, müde Augen sowie Muskelzucken um die Augen häufig; gelegentlich wurden verschwommenes Sehen, eine Verschlechterung des Sehens oder Doppeltsehen berichtet, selten eine Störung der Augenbewegung.
Bei Krähenfüßen ist ein geschwollenes Augenlid häufig, trockene Augen treten gelegentlich auf.
Botulinumtoxine können außerdem die Tränenproduktion und das Blinzeln vermindern und die Hornhaut beeinträchtigen. Wer bereits unter trockenen Augen oder Hornhautproblemen leidet, sollte das im Vorgespräch unbedingt erwähnen.
Bei der Behandlung der Zornesfalte traten gelegentlich (weniger als 1 von 100) Schwindel, Juckreiz, Hautausschlag oder Überempfindlichkeitsreaktionen auf, selten Nesselsucht. Nach der Markteinführung wurden zudem Schwäche, Müdigkeit, grippeähnliche Beschwerden, ein vermindertes Hautgefühl und ein Muskelschwund gemeldet – die Häufigkeit ist hier nicht bekannt.
Bei Botulinumtoxin-Präparaten wurde sehr selten über Nebenwirkungen berichtet, die mit einer Ausbreitung der Wirkung auf entfernte Muskeln zusammenhängen können – etwa übermäßige Muskelschwäche oder Schluckbeschwerden, in einigen Fällen mit tödlichem Ausgang. Laut Fachinformation kann eine übersteigerte Muskelschwäche auch bei therapeutischen Dosen auftreten. Treten nach einer Behandlung Schluck-, Sprech- oder Atemprobleme auf, verständigen Sie bitte sofort einen Arzt.
Nicht behandelt werden darf laut Fachinformation:
Nicht empfohlen wird die Behandlung in der Stillzeit, bei Personen unter 18 Jahren, bei früheren Schluckstörungen oder Aspiration sowie bei verlängerter Blutgerinnungszeit.
Besondere Vorsicht ist geboten bei Störungen der Reizübertragung zwischen Nerv und Muskel, bei Entzündungen im Behandlungsbereich, bei ausgeprägter Schwäche oder Rückbildung des zu behandelnden Muskels und bei gleichzeitiger Einnahme von Aminoglykosid-Antibiotika oder anderen Medikamenten, die auf die Muskelreizleitung wirken. Deshalb frage ich im Vorgespräch gezielt nach Vorerkrankungen und Medikamenten.
Zusätzlich empfehle ich in meiner Praxis – unabhängig von der Fachinformation –, am Behandlungstag auf intensiven Sport, Sauna und Massagen im behandelten Bereich zu verzichten und die Einstichstellen nicht zu reiben. Diese Hinweise beruhen auf allgemeiner ärztlicher Praxis, nicht auf den Studiendaten des Präparats.
Botulinumtoxin gehört zu den am besten untersuchten Wirkstoffen der ästhetischen Medizin. In den Studien waren die meisten Nebenwirkungen leicht bis mäßig und vorübergehend; schwerwiegende Nebenwirkungen durch eine Ausbreitung der Wirkung wurden sehr selten berichtet. Eine gründliche ärztliche Voruntersuchung und eine ehrliche Aufklärung gehören deshalb zu jeder Behandlung. Wenn Sie Fragen zu Ihrem persönlichen Risiko haben, besprechen wir diese gern in Ruhe vorab.
Mehr zu Wirkung, Ablauf und Kosten finden Sie auf unserer Seite zur Behandlung mit Botulinumtoxin.
Die klinischen Angaben in diesem Artikel (Häufigkeiten, Gegenanzeigen, Warnhinweise) basieren auf der offiziellen Fachinformation (Stand: Dezember 2025). Die Verhaltenshinweise nach der Behandlung sind allgemeine Praxisempfehlungen. Dieser Artikel ersetzt keine ärztliche Beratung.
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